Kurs Nord

 

So. Die Reederei macht ihren letzten Aushang im Stadt:Hafen Salzburg: »SEEGANG« no.4

Es geht in den Norden. Mit ziemlich viel Schiffbruch ... Sollte ja eigentlich nicht zuviel verraten, mag's mir aber kaum verkneifen, ein bisschen Insider-Wissen preiszugeben. Sage nur: bester Draht zur Kapitänin!

 

Daher ein Kompromiss: ich widme mich am heutigen Schiffstag drei verschiedenen Kapitänsporträts, zollfrei zitiert. Rein zum Vergleich, also forschungsorientiert. Und einer davon ist der Kapitän, der nach Norden steuert. Gut?

 

A) Er war ein Seemann, aber auch ein Reisender, während die meisten Seeleute, wenn man so sagen kann, ein seßhaftes Leben führen. Sie zählen eher zu den Stubenhockern, und ihre Stube haben sie immer dabei – das Schiff; und ebenso ihr Heimatland – das Meer. Ein Schiff gleicht so ziemlich dem anderen, und das Meer ist immer dasselbe. In dieser unveränderten Umgebung gleiten die fremden Küsten, die fremden Gesichter, die wechselhafte Unendlichkeit des Lebens an ihnen vorbei, verhüllt nicht von Geheimnis, sondern von leicht abschätziger Ignoranz; denn für den Seemann ist nichts geheimnisvoll außer der See selbst, die über seine Existenz gebietet und unergründlich wie das Schicksal ist. Ansonsten genügt ihm, nach dem Tagewerk eine gelegentliche Promenade oder eine Sauferei an Land, um ihm das Rätsel eines ganzen Kontinents zu offenbaren, und im allgemeinen interessiert ihn die Rätsellösung nicht. Seemannsgarne sind von nackter Einfachheit, und ihre ganze Bedeutung passt in die Schale einer geknackten Nuss. Doch Marlow war nicht typisch (seine Neigung zu fabulieren ausgenommen), und die Bedeutung einer Begebenheit lag für ihn nicht im Innern wie der Kern, sondern außerhalb, sie umfing die Geschichte, die sie sichtbar machte, wie Licht einen Dunst, ähnlich dem nebligen Hof, den die Streuung des Mondscheins von Zeit zu Zeit zum Vorschein bringt.

B) Wenn er nicht segelt, ist er in der Lehre tätig, Raumplanung. Wie sich das Schiffsgefühl mit in den Alltag nehmen lässt? Es ist das Gefühl, die Welle zu erwischen – dann ist er an Bord, gleitet dahin ohne nachzudenken und wird ganz eins mit Steuer, Segel, Wind ... Er hält nicht gern Vorträge, aber manchmal stellt sich plötzlich das Gefühl ein, auf der Welle zu reiten, dann ist er Kapitän des Moments. Auf dem Schiff hat ihn schon mal jemand gefragt, wieso er, wenn alle die Nerven verlieren, so ruhig bleibt. Er kann's nicht anders erklären: es ist die Welle.

C) Seekapitän Vilhelm Huurna schämte sich für gestern und fürchtete sich vor morgen, aber mit dem gegenwärtigen Augenblick war er immer gut fertig geworden. Kletterte er als Schiffsjunge in den Großmast, hatte er Angst, aus der Höhe ins Meer zu fallen, und stieg er wieder zum Deck hinab, schämte er sich für die Fehler, die er im Mast gemacht hatte, aber oben im Wind öffnete er die Knoten wie in der Kindheit vor der Haustür die Schnürsenkel.

* Quellenangaben liefere ich nach, sonst wären die neutralen Vergleichsbedingungen ja nicht gegeben.

 

Gebe zu, das war jetzt viel Lesestoff ... Also vielleicht doch lieber am Seemannssonntag lesen lassen und bei Kaffee und Kuchen die Fahrt genießen, mit Blick übers Salzburger Meer bis zum Horizont!!! Wer weiß noch nicht, warum bei Seeleuten der DONNERSTAG der Sonntag ist???

 

Und hier noch der Aushang:

 

Die Reederei empfiehlt:

Donnerstag, 7. November, 16Uhr30

Abfahrt vom Panoramadeck im Stadt:Hafen Salzburg

freier Zugang an Bord!

mit Special Service: Flaschenpostdienststelle geöffnet!

 

na dann, bis dann!!!