Alle Schiffe sind gleich ...

 

Gibt es auf dem Schiff eigentlich auch Home-Office ...? Hängt wahrscheinlich davon ab, wie sehr man das Schiff als Heim begreift, dazu gleich noch was. Heute ist Sätze-Angeln angesagt. Der erste hängt noch in der Luft – im Heimkino, ach nein, Schiffskino aufgespürt:

 

"Alle Schiffe sind gleich, sie schwimmen auf dem Wasser."

 

Sagt – des öfteren – der erstmals auf einem Kreuzfahrtschiff eingesetzte Frachtschiffkapitän Heinz Rühmann (1971).

Anderes Schiff, anderer Kapitän – die »Stella Maris« auf der Überfahrt von Dublin nach New York, 1847:

 

Lockwood sah sich unruhig um. Er war den Umgang mit der Aristokratie nicht gewöhnt.

Eine junge Frau griff in die Saiten der reich verzierten Harfe neben dem Desserttisch, in der Mitte des Salons gleich neben der vor sich hin schmelzenden Eisskulptur des triumphierenden Neptun.

 

Aus derselben Quelle noch mehr in Sachen Gleichheit, draußen vom düsteren, nassen Deck der Nacht:

 

Es schien, als lasse die Dunkelheit Standes- und Glaubensunterschiede verschwinden,

als verwische sie diese Unterschiede zumindest so weit, dass sie keine Beachtung mehr verdienten.

Ein Eingeständnis vielleicht, dass auf See alle gleichermaßen machtlos sind.

 

Und hier aus ganz anderer Quelle, in Sachen Gleichheit, Dunkelheit, Machtlosigkeit und wieder zu Home & Office:

 

Samuel Johnson wrote that 'being in a ship is being in jail, with the chance of being drowned',

and although Maersk is known for running good ships, the interior décor is the prison side of comfort.

A ship is both workplace and home, but workplace aesthetics have won.

 

Schreibt Rose George, mitreisende Reporterin auf einem Containerschiff der Mærsk Line (2019).

Und von da zurück in die erste Klasse, ins Interieur des Speisesaals der »Stella Maris«, zu Kapitän Lockwood & Co:

 

"Sagen Sie mir eines, Käpt'n", meldete sich der Maharadscha mit ratlos gerunzelter Stirn. "Die hübsche junge Dame, die eben die Harfe spielt." – Der Kapitän sah ihn gequält an. "Ich weiß, Sie werden es mir sagen, wenn ich mich täusche." – "Worum geht es, Euer Hoheit?" – "Ist sie nicht in Wirklichkeit ... der Maschinist?" –

"Es sähe nicht gut aus, wenn es ein Mann wäre", murmelte der Kapitän. "Und wir auf der Stella geben uns Mühe, dass es gut aussieht."

 

Das würde jetzt wiederum in noch ganz andere Quellen über Gleichheit an Bord führen, siehe auch letzten Eintrag. Ein anderes Mal, schon genug Text für heute. Geht ja weiter, aus heimischer Kajüte, jeden Sonntag eine Meile ...

 

Ach ja, Kapitän Rühmann wiederholt zwar oft den einen Satz, sagt aber auch noch anderes. Zum Schiffskino hier.

 

p.s. die weiteren sätze entstammen diesen quellen: joseph o'connor »die überfahrt« / rose george »deep sea and foreign going«

p.p.s aus persönlicher freude am sätze angeln verweise ich hier gern auch noch auf einen früheren b-log-eintrag => schiffb uch