Kollisionskurs

 

In Fluggeschwindigkeit von einem Sonntag zum anderen, geht immer wieder viel zu schnell ... Sollte mir dringend mal die Zeitmessung an Bord vornehmen, steht ja schon auf der Liste. Stattdessen: immer noch Wellen, immer noch Segeln ... siehe letzte woche => Langewelle

 

Apropos Geschwindigkeit ... Im aktuellen Faktencheck nicht zu übersehen: das Finale eines spektakulären Segelrennens, ich sag nur Vendée Globe und Boris Herrmann. Weltumsegler, Wellenreiter – und Hamburger. Zur Zeitmessung: in 80 Tagen um die Welt, genauer gesagt: 80d, 20h, 59m and 45s. Die letzten 3 Ziffern hätten weniger sein können, wäre da nicht ein Fischerboot gewesen ... Aber das lässt sich alles nachlesen, jede Menge Fakten im Netz. Stichwörter habe ich ja ausgeworfen.

 

Finde in diesem aktuellen Schiffsgeschehen die Kollision spannender. Ich sag nur: der rasende Segler und das langsame Fischerboot ... Ruhelos kontra Geruhsam. Oder: Die Tour wird auch als Mount Everest des Segelsports bezeichnet, dazu meldet aber einer: Stimmt nicht, der Mount Everst wurde schon zehntausendfach erklommen, die V.G. noch nicht einmal hundertmal ... Berg kontra Meer. ... zu dem thema könnte ich nebenbei noch auf einen b-logbuch-eintrag hinweisen, vom steinernen meer =>  Auf Schiffsuche ...  Und nicht zuletzt: Fakten kontra Fiktion. Konnte da einiges herausfischen, das klingt schon sehr belletristisch, ich sag nur: Vorstellungskraft ...

»Man hörte im Netz den Wind, man sah die Wellen, die Gischt und manchmal die Sonnenuntergänge. Es krachte, jaulte, blies. Weit weg von Corona, eine Wüste aus Wasser.«

»Die Wellen, der Wind, das Warten. ... Die Hauptdarsteller, das Meer und der Wind, sind sehr launisch. Und manchmal wehen und schwemmen sie dir ein Fischerboot vor den Bug.«

Noch mehr zur ortversetzenden Vorstellungskraft:

»Da pfeift der Wind und die Wellen schwappen in sein Boot. Das genügt, um zu wissen, lieber nicht an seiner Stelle sein zu wollen.«

»Wie gern wäre ich jetzt mit dir in einer der Hafenbars dort! Es ist nicht schön hier draußen, diese steilen Wellen machen unsere Schiffe kaputt.« (O-Ton Herrmann, Weltumsegler, Wellenreiter, Hamburger)

Und zuallerletzt dies: »Segeln ist das Gegenteil von Nähe.«

 

Gut, bleibe also bei der Fiktion. Im eigenen Tempo. Und kollisionsfrei. Schiffsmeldungen gibt's hier auch, die sind extrem entspannt ... und belletristisch sowieso. ... siehe => shipping news

Apropos belletristisch, habe neulich ein Buch gelesen, die Geschichte spielt am Meer. Darin hat's kräftig geschwappt: 48x kam darin Welle vor (plus 1x versteckt: Schwellen), 5x Woge, 3x Schwanken. Damit also zurück beim Faktencheck. Und beim Herumreiten auf Wellen. Nehme dafür nun allen Wind aus den Segeln und genieße das Dümpeln an Bord. Ist ja Sonntag.

 

Ach ja, ab morgen rast die Zeit wieder, aber das ist ein anderes Thema.

Für heute ist genug gesagt. Sonntag kommt immer wieder.

Bis gleich!

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Quellenangaben: die Zitate stammen aus Zeitungsartikeln (SZ vom 28.1.21, Die Zeit vom 27.1.21 und 28.1.21), die Wortzählung aus »Der Wal und das Ende der Welt« von J. Ironmonger